„We don’t have a bed for you, so better go back to Iraq!“

English version below

Neue Bewegungsfreiheit innerhalb Griechenlands, allerdings ohne gesicherte Unterbringung. IOM verweigert zwei Familien einen Schlafplatz und schlägt ihnen statt dessen eine „freiwillige Rückkehr“ vor.

Nach dem aktuellen Urteil des obersten griechischen Gerichts, können flüchtende Menschen, die ab sofort auf den Inseln ankommen, selbst entscheiden wo sie in Griechenland leben möchten.* Ein längst überfälliger Schritt angesichts der menschenunwürdigen Lebensbedingungen auf den überfüllten Inseln. Allerdings treffen wir in den letzten Tagen immer wieder Menschen, die uns verzweifelt berichten, keinen Schlafplatz mehr zu finden. Anscheinend ist das griechische Versorgungs- und Unterbringungssystem für Geflüchtete zusammengebrochen. Den Informationen einer großen griechischen NGO zufolge, ist das keine neue Situation. Seit Monaten schlafen geflüchtete Menschen auf der Straße – Familien, sowie Einzelpersonen. Momentan gibt es anscheinend nicht einmal mehr die Möglichkeit, sich offiziell für die Unterbringung in einem der Lager zu bewerben. Die einzige Chance besteht darin, an der Pforte eines griechischen Lagers inoffiziell nach Schlafplätzen zu fragen.

Vor diesem Hintergrund ist es um so schockierender, dass IOM, die Organisation, die das Lager hier in Drama leitet, diese Woche zwei Familien aus dem Camp geworfen hat. Laut Berichten der Bewohner*innen dort hat das Lager durchaus noch Unterbringungskapazitäten. Den Familien wurde nicht nur der Schlafplatz verwehrt – ohne Informationen, wohin sie sich alternativ wenden könnten – ihnen wurde nach dem Rauswurf zudem die Option der so genannten „Freiwilligen Rückkehr“ in ihr Herkunftsland unterbreitet. Eine der Haupteinnahmequellen von IOM. Unserer Ansicht nach, handelt es sich um ein extrem problematisches Vorgehen, Menschen in einer derart verzweifelten Situation keine anderen Informationen und Handlungsoptionen aufzuzeigen, als die Rückkehr in das Land aus dem sie schließlich nicht grundlos geflüchtet sind. Vor allem, da die verzweifelte Situation der Familien durch die gleiche Organisation hervorgerufen wurde, die eine „freiwillige Rückkehr“ durchführt und gut daran verdient.

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New freedom of movement within Greece, but without secure accommodation. IOM denies two families a place to sleep and instead suggests a „voluntary return“.

As a result of the current decision of Greek’s Highest Court, refugees who arrive on the islands from now on can decide for themselves where they want to stay in Greece. A long overdue step in view of the inhuman living conditions on the overcrowded islands. However, during the last few days we met several people who desperately told us that they can’t find a place to sleep. Apparently, the Greek system of accommodation has collapsed. According to information from a major Greek NGO, this isn’t a new situation. For months now, refugees have been sleeping on the streets – families and individuals. At the moment it seems that there is not even the possibility to officially apply for accommodation in one of the camps. The only chance is to ask unofficially for sleeping places at the gate of a Greek camp.

Against this background, it’s even more shocking that IOM, the organization that is running the camp here in Drama, has kicked two families out this week. According to reports of the people who live there, the camp still has accommodation capacities. The families were not only denied a place to sleep – without information where they could turn to alternatively – they were also offered the option of so-called „voluntary return“ to their country of origin. One of IOM’s main sources of income. In our opinion, this is an extremely problematic behavior of not providing people in such a desperate situation with information and options for action other than returning to the country from which they ultimately fled for a reason. Especially since the desperate situation of the families was caused by the same organization that carries out a „voluntary return“ and makes a good profit from it.

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