Individuelle Hintergründe des Projekts

english text below

Joanna

„Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld wenn sie so bleibt“ – Dieses Zitat aus einem Lied von den Ärzten beschreibt für mich sehr gut warum ich in einem Projekt wie diesem arbeite. Warum im Ausland und warum mit Geflüchteten, hängt bestimmt auch damit zusammen, dass ich im März 2016 in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze gearbeitet habe. Ich war in den Tagen da als Frau Merkel, zusammen mit anderen europäischen Politikern, beschlossen hat die Grenze endgültig zu schließen. Als Europäerin habe ich mich daraufhin sehr verantwortlich gefühlt für die Lage der Menschen die mit der Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit und Würde zu uns gekommen sind und denen wir dann den Weg mit Stacheldrahtzaun versperrt haben. Die Bilder von Idomeni sind aus unsere Nachrichtensendungen verschwunden und die Menschen in verschiedene Militärcamps, deren Lebensbedingungen von würdevoll weit entfernt sind. Diese Camps gibt es immer noch und auch wenn die Politik so tut als würden auf Grund des EU-Türkei Deals keine neuen Menschen in Griechenland ankommen, zeigt uns die Realität täglich, dass dem nicht so ist. Deswegen finde ich es wichtig, dass wir diese Menschen nicht einem überforderten Griechenland überlassen und verdrängen, sondern uns dafür einsetzen, dass ihre Menschenrechte geachtet und ihre Würde hinter geschlossenen Zäunen nicht vergessen wird.
Und trotz diesen ernsten und schwierigen Themen finde ich es wichtig, dass eine gewisse Leichtigkeit und Lebensfreude nicht verloren geht. Denn das System werden wir von heute auf morgen nicht verändern, aber die kleinen glücklichen Momente im Leben, das ist etwas, dass wir mit den Menschen zusammen gestalten können.


 

Julia

Seit einiger Zeit vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht über Grenzen und die Menschen die überall auf der Welt vor ihnen festsitzen nachdenke. So selbstverständlich wie wir die Existenz von Grenzen hinnehmen, so selbstverständlich nehmen wir auch die Ungerechtigkeit hin, die mit ihnen verbunden ist. Wie kann es sein, dass mit europäischen Papieren ein Grenzübergang nichts weiter ist als eine kleine Unannehmlichkeit auf dem Weg in den Urlaub und für Menschen, die zufälligerweise den „falschen“ Pass besitzen eine Grenze zur unüberwindbaren Hürde wird. Zum ersten Mal so richtig bewusstgeworden, ist mir diese Ungerechtigkeit als ich letztes Jahr spontan beschlossen hatte mit einer kleinen Organisation nach Idomeni zu fahren, um die Menschen die dort zu Tausenden vor der mazedonischen Grenze festsaßen in irgendeiner Weise zu unterstützen. Auch um zu zeigen, diese Politik ist nicht meine. An dieser Situation hat sich bis heute nicht viel geändert, außer dass eingetreten ist, was viele der Menschen in Idomeni damals befürchtet haben, nämlich dass sie – sobald in offiziellen Camps untergebracht- in Vergessenheit geraten werden. Dies ist einer der Gründe warum mir unser Projekt so wichtig ist: Um den Menschen, die in Griechenland ohne Perspektive festsitzen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Auch hoffe ich darauf, mit ihnen gemeinsam zu erarbeiten was getan werden kann, um ihre Lage zu beeinflussen – was auch immer das in der konkreten Situation bedeuten wird. Denn durch viele Faktoren wird Flüchtenden in ganz Europa das Gefühl gegeben machtlos zu sein, ein Zustand in dem sich kein Mensch befinden sollte. Ich hoffe inständig, dass das öffentlich machen der Geschichten und Lebenssituationen flüchtender bzw. wartender Menschen einen Teil dazu beiträgt diese tiefe Ungerechtigkeit zu benennen und vielen wieder ins Gedächtnis zu rufen.


 

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Doro

Ich bin berührt davon, dass wir in einer Zeit leben, in der parallel zu Wohlstand und Fortschritt, soviel Angst und Ungerechtigkeit existiert.

Zu sehen, wie grobe Menschenrechtsverletzungen ohne Folge bleiben und als gerechtfertigt gelten, aufgrund eines anderen Reisedokuments oder einer anderen Hautfarbe, versetzt mich in Unverständnis und löst ein Gefühl von Ohnmacht aus.

Es liegt nicht in unserer Hand, die politischen Strukturen, die dieses Leid lenken, von heut auf morgen zu verändern.
Deshalb finde ich es um so wichtiger Menschlichkeit und Würde in das Leben Einzelner zu bringen.

Ich will hinschauen, über den Tellerrand des medialen Informationsflusses hinaus.
In Begegnung gehen – mehr mit den Menschen reden, anstatt über sie.


 

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Malli

Ich war von Anfang an begeistert von der Idee, ein Zirkuszelt zu schnappen, nach Griechenland zu fahren und dort einen Ort für Menschen, die auf der Flucht sind, zu schaffen. Einen Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann und wieder Freude erfahren kann, nachdem man so viel Negatives erlebt hat. Und wie oft bleiben solche Pläne nur Gedankengespinste. Umso mehr freue ich mich, dass wir nun tatsächlich unsere Zeit in ein solches Projekt stecken und aktiv geworden sind. Dieser Prozess des absolut selbstständigen Organisierens ist unheimlich lehrreich und spannend. Wie zum Beispiel ein eigenes Konzept zu erstellen und im direkten Anschluss selbst zu erfahren, wie realisierbar es ist. Wir sind in der Tat auf viele Schwierigkeiten gestoßen und haben festgestellt, dass manches von unseren Vorstellungen nicht umsetzbar ist. Trotzdem lernt man, dass man durch flexible Perspektiveinnahmen, Pläne auf die Gegebenheiten und Menschen vor Ort anpassen kann.

Ich mag es auch, dass wir unser gewohntes Umfeld verlassen und uns ohne Ablenkung komplett auf das Projekt einlassen und den Menschen, die in Vergessenheit zu geraten drohen, unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung ungeteilter entgegenbringen können. Außerdem hoffe ich, dass durch eine direktere Berührung mit der Flüchtlingsproblematik, ihr Ausmaß mehr in mein Bewusstsein eindringt und in meiner Reichweite weitergetragen werden kann. Denn auch wenn es kleine Schritte sind, kann dies zu einer menschenwürdigeren Einstellung und zur gerechteren Behandlung der Geflüchteten beitragen.


 

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Mireille

 

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Richard

Wie ist mein persönlicher Umgang mit Situationen, in denen ich mich unwohl oder überfordert fühle?
Ich ringe um Normalität, Sicherheit und manchmal auch einfach Ablenkung.

Abgeleitet aus dieser persönlichen Erkenntnis halte ich es für elementar wichtig, Menschen auf der Flucht, welche alles zurücklassen mussten, unter schrecklichen Bedingungen leben und vor einer ungewissen Zukunft stehen, eine gewisse Art von Alltag zu ermöglichen.
Natürlich kann man diese Situationen nicht vergleichen und wir können auch keinen der genannten Punkte grundlegend verändern. Was wir aber können, ist zu versuchen den Menschen ein Stück ihrer Würde wieder zu geben, welche eine grenzenschließende europäische Politik ihnen nahm und wir können ihnen Menschlichkeit entgegenbringen.


 

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Sophia

Es fühlte sich wie ein Zufall an, wie ich in dieses Projekt gestolpert bin. Eines Tages verließ ich mit den anderen ein Seminar und Doro fragte mich ob ich nicht Lust hätte mit zu einem Treffen für dieses Projekt zu kommen. Das Treffen fand sozusagen zwischen Seminarraum und Bushaltestelle auf einer Treppe statt und ich war schnell begeistert von der Idee. Seit diesem Tag bin ich Menschen nähergekommen, die ich vorher kaum kannte.
Ich hoffe, dass es genau das ist, was wir mit Open Space bewirken können: Menschen zusammen bringen.

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About us
We are a group of students from Jena, Germany. We are studying social work, sociology or psychology and are learning a lot of stuff in university we might need later in life. However, what we already have is dedication, energy, empathy and humaneness. So why wait if we can do something now?

Most people in Europe cannot imagine, what refugees are experiencing on the move. Every now and then, pictures of crowded inflatable boats or provisional camps can be seen on television. Some people go further and try to get a little more insight through private blogs or web presentations of charity organizations.

However, all of this seems very far and can easily be removed from everyday concerns.
We do not want to set those issues aside. We want to address them by going to exactly those places we are shown in television, talk to the people and get our own view on the conditions. We want to find out what the problems are and address them together with the people on-site.

It is our goal to implement the project as explained in our concept while there is still room for expansion. We hope that we can establish a project which can be maintained without us. So if our ideas are appealing to you and you can imagine to become a part of „Open Space“, you are very welcome to contact us.

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